Thomas Scheytt spielte am 21.07.2018 in Roßdorf im Handwerksmuseum auf

„Was ist denn heute los, so voll war es ja noch nie“  …. diese erstaunten Worte musste die Veranstalterin und Museumsleiterin Barbara Hechler  vom Handwerksmuseum Roßdorf unter der Ägide des Kulturhistorischen Vereins Roßdorf e.V. an diesem Abend des öfteren hören.

Die objektive Antwort ließ auch nicht lange auf sich warten: das Konzert war ausverkauft und etliche Stühle mußten noch in alle nur möglichen freien Ecken gestellt werden. Bemerkenswert auch zu erwähnen, dass es nicht nur Roßdörfer waren, die herbeiströmten, sondern auch Besucher aus Darmstadt und Umgebung und weiterem Umkreis.

Da taucht doch sofort die Frage auf, woran das liegen könnte: an der fleißigen Werbung von Barbara Hechler oder war es das besondere Musikgenre, das erstmalig mit Blues, Boogie Woogie und eigenen Kompostionen des Freiburger Pianisten Thomas Scheytt im Roßdorfer Veranstaltungsprogramm angekündigt war?

Das Programm „Piano Solo“ des zweifachen Blues Award Gewinners Thomas Scheytt kam bereits bei den ersten Klängen des Gastes aus Freiburg begeisternd an. Wenn Scheytt loslegt, präsentiert er eine Leidenschaftlichkeit, die nicht nur in seinem Gesichtsausdruck und der Tastenakrobatik seiner Finger, sondern sich auch im vibrierenden Körper und tanzenden Beinen wiederspiegelt - im Sturm erobert er mit Blues und Boogie Woogie seine Zuhörer.

Egal, ob Scheytt die Boogie Woogie Klassiker oder Eigenkompositionen wie „Flower Street Express oder „Fifty Dollar Boogie “ spielt, mit phantasievollen Improvisationen begeistert er ohne Effekthascherei.

Thomas Scheytt hat den Blues verinnerlicht und kann damit seine Zuhörer durch sein tiefes Einfühlungsvermögen ebenso verzaubern wie mit Boogie  Woogie, die er mit atemberaubenden Tempi spielt und somit sein Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hinreißt.

Dieses Konzert ist aber nicht nur ein musikalischer Ohrenschmaus. Scheytt versteht es auch, sein Publikum mit einer informativen und witzigen Moderation in seinen Bann zu ziehen.
So vermittelt er Wissen über verschiedene Musikrichtungen, gibt Hinweise zum Ragtime, aber auch Auskunft über Persönliches aus seiner Biografie, das in manchen Eigenkompositionen Spuren hinterlassen hat. So lassen seine Erinnerungen an die Zeit als Kirchenorganist in der Interpretation einer Sonnenaufgangs-Empfindung in “Out of the dark“ die Zuhörer nachempfinden, was Orgel-und Bluesklänge  verbindet.

In einem sehr ausgewogenen Wechsel von Boogie Woogie und Blues vermag er sein Publikum immer wieder zu Szenenapplaus zu animieren oder mit leisen und besinnlichen Tönen wie mit seiner eigenen Version von Ray Charles “Georgia on my mind“ die Zuhörer in nachdenklicher Stille zunächst verharren zu lassen, um  dann aber in jubelndem Applaus zu enden.
Man weiß nicht, wer hier wen animiert: ob die unbändige Spielfreude von Thomas Scheytt auf das Publikum überspringt, oder die echte Begeisterung des Publikums den Pianisten zu virtuosen Höchstleistungen treibt.

Es war ein Konzerterlebnis, das man nicht so bald vergessen wird, zumal der Pianist zum Abschluss seine Zuhörer aufforderte, mit ihm zusammen den Gospel “Put your hand in the hand“ zu singen und zwar „möglichst lautstark“ sodass er in Freiburg berichten kann: so schön wie in Roßdorf hat es bisher nirgendwo geklungen!

Eine eigene Version von “You’ve got a friend in me“ sollte als weitere Zugabe ein Dank an die begeisterten Zuhörer sein. Mit Standingovations verabschiedete ein fröhlich gestimmtes Publikum den Pianisten, der strahlend ob solcher Begeisterungsstürme die Heimreise nach Freiburg antratt.

m.w.